Foto: Dietrich vom Berge

Ballett Matinée
Die kleine Meerjungfrau
Ballettschule W. Oremek-Reeves

Nieder Eschbacher Anzeiger, Ausgabe 19/20 vom 15.12.2017

Pure Magie und Perfektion vom ersten bis zum letzten Tanz

Am 3. Dezember entführte die Ballettschule W. Oremek-Reeves das Publikum im Bad Homburger Kurtheater in die Tiefen des Ozeans, mit ihrer Produktion „Die kleine Meerjungfrau“.

Eine Ballettaufführung die seines gleichen sucht und mit professionellen Produktionen, namhafter Theater voll und ganz mithalten kann.

Der Vorhang öffnete sich und zu den Klängen des „Arabian Dance“ aus der Nussknacker Suite, schwebten fluoreszierende Quallen und ein Mantarochen (Stephanie Dietrich) durch den hervorragend umgesetzten Palast des Poseidon. Eine grandiose Eröffnung des Stückes, die den Zuschauer umgehend fesselte. Auch das Korallenriff erwachte zum Leben und wurde charakteristisch, in faszinierender Gleichmäßigkeit von den jungen Elevinnen dargestellt. Nach und nach füllte sich die Bühne mit Zierfischen, Falterfischen, Seepferdchen und Muschelperlen. Dem Zuschauer wurden klare, dem Charakter angepasste, gleichmäßige Ballettschulschritte geboten, welche in vielfachen Kombinationen den großen Umfang des klassischen und neoklassichen Ballettes erahnen ließen.

Auch die Solotänzerinnen fügten sich nahtlos in das abwechslungsreiche Geschehen ein. Wunderbar anmutig verkörperte Carla Malsch den Seestern, als ausdrucksstarke, flinke Krabbe agierte Laura Bartholmes, die geschmeidigen und schönen Meerjungfrauen wurden von Anna Stephan, Katja Sundermaier und Alexandra Nessar verkörpert. Ausdrucksstark und mächtig, herrschte Poseidon (Stephanie Dietrich) über sein Reich und seine jüngste Tochter (Karen Hrastnik). Wunderbar leichtfüßig und charmant stellte sie ihren Charakter auf Spitze dar. Schmunzeln musste das Publikum beim Auftritt der Meeresschildkröte (Julia Happel), die von kleinen Zierfischen geärgert wurde und am Ende auf dem Rücken lag.

Auch im nächsten Bild wurde dem Zuschauer ein wahres Spektakel geboten. Nach einer kurzen Lesung bot sich dem Publikum ein vollkommen neues Bühnenbild. Die Wasseroberfläche war nun erreicht und die kleine Meerjungfrau spielte in einer traumhaften Choreographie mit den Wellen (wundervoll verkörpert von: Victoria Bangert, Viktoria Hirschmann, Laura-Sophie Heim, Anna Otto, Lara Marie Goldberg, Kiara Woodall). Ein Schiff glitt durch das Meer und Matrosen (herausragend: Antonia Kiacsek, Aimée Dietrich, Charlotte Erbe, Louisa Ouoba) schrubbten das Deck. Der Geburtstag des Prinzen stand an und alles sollte hergerichtet sein für die große Feier. Dies war jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn am Horizont zog sich ein Gewitter zusammen und ließ die Wellen zu fulminanter Musik aufbrausen. Das Schiff geriet ins Wanken und ließ den Zuschauer erneut staunen, denn das Zusammenspiel von Wellen, Matrosen und Prinz wurde zu einem grandiosen Spektakel. Das Segel brach, die Taue konnten nicht mehr gehalten werden, der Steuermann versuchte der tosenden See zu trotzen, aber nichts schien zu helfen. Die Wellen verschluckten einen Seemann nach dem Anderen, bis nur noch der Prinz um sein Leben kämpfte. Nun kam ihm die kleine Meerjungfrau zu Hilfe und erzwang die Freigabe des Prinzen von den Wellen. Nach der Rettung bot sich dem gebannten Publikum ein professionelles Pas de Deux von Prinz (charakteristisch, einnehmend und technisch hervorragend: Ilonka vom Berge) und der kleinen Meerjungfrau (charmant, lieblich und technisch herausragend verkörpert von Karen Hrastnik).

Nach der Pause wurde den Zuschauern wiederum ein neues Bühnenbild präsentiert, die Höhle der Meereshexe. Diese thronte auf einem Miesmuschelthron und haderte mit ihrer Verbannung. Dr. Heike Huperts schien diese Rolle auf den Leib geschrieben zu sein. Sie zog den Zuschauer umgehend in ihren Bann mit ihrem grandiosen Tanz, der einnehmenden Verkörperung ihres Charakters und dem perfekt auf die Rolle abgestimmten Kostüm. Muränen, Seeigel und Anglerfische wurden auch hier mit grandioser Musik von den Elevinnen verkörpert. Hervorzuheben sind die beiden Seedrachen (Carla Malsch und Laura Bartholmes).

Ängstlich bat die kleine Meerjungfrau um einen Zauber, der ihren Fischschwanz zu Beinen werden lassen sollte. Der Zauber begann und es ist dem Duo Reeves/ Oremek tatsächlich gelungen, die Verwandlung von Fischschwanz zu Beinen klar darzustellen. Die Choreographie änderte sich und auch Karen Hrastnik erschien in einem neuen Kostüm (auf offener Szene, vom Publikum vollkommen unbemerkt fand der Kostümwechsel statt!).

Das letzte Bild – wiederum mit neuen Kulissen – lud den Zuschauer in den ganz in Gold gehaltenen Palast ein. Hofgesellschaft und Ballgäste tanzten mit dem Prinzen, bis eine fremde Prinzessin auf der Szenerie erschien. Diese versuchte den Prinz voll und ganz für sich einzunehmen. Doch Poseidon erkannte den Betrug, löste den Zauber auf und entlarvte die fremde Prinzessin als böse Meereshexe. Er führte seine jüngste Tochter dem Prinzen zur Hand und die Produktion endete in einem herrlichen Hochzeitsfinale.
Tabea Trendel führte als Sprecherin charmant und professionell durch das Stück.

Grandiose Tänzerinnen, eine wundervolle Musikauswahl (Jasmin Reeves), beeindruckende Liebe zum Detail, perfekte Choreographien (Waltraud Oremek-Reeves / Jasmin Reeves), ein klarer und verständlicher Handlungsstrang, fulminante Kostüme (Jasmin Reeves) und ein absolut traumhaftes Bühnenbild (Annette und Albrecht Dörr) ließen den ersten Adventssonntag zu einem Erlebnis werden, an das man sich gerne auch noch in 3 Monaten erinnert.

Ein großes Lob an Waltraud Oremek-Reeves und Tochter Jasmin Reeves für diese großartige Zusammenarbeit und ihre choreographische und pädagogische Arbeit. Es lässt sich nur erahnen, wie viel Herzblut, Arbeit, Fingerspitzengefühl und Organisation in einer derartigen Produktion steckt.

Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass Waltraud Oremek-Reeves bereits 70 Jahre in ihrem Beruf tätig ist. Mit 11 Jahren besuchte sie ihre erste Ballettstunde und hat ganz offensichtlich ihre Liebe und Begeisterung bis heute nicht verloren und an ihre Tochter weiter gegeben.

Chapeau die Damen!

Alexander Lang

Foto: Dietrich vom Berge

 

Letzte Änderung: 31.12.2017